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Der Auftrag des Hundes Teil II

Ein paar weitere Gedanken zum ersten Artikel mit diesem Titel, die mir in den letzten Tagen so gekommen sind.

Einleitung

Es gibt so Situationen, in denen einen das Schreiben einfach so überkommt. Man hat eine Idee, einen Gedanken, und ich gehöre zu den Leuten, die diese Idee oder diesen Gedanken dann unmittelbar der Welt mitteilen müssen. Es soll ja Leute geben, welche solche Blogeinträge strikt ablehnen und sich davon distanzieren, weil sie entweder Angst haben, dass solche Artikel widerum andere vor den Kopf stoßen könnten, da diese ja bekanntermaßen einer anderen Religionsgemeinschaft angehören, Gott sei Dank gibt es aber auch solche, die neuen Gedanken aufgeschlossen gegenüberstehen und diese auch aufgreifen, darüber nachdenken und sie evt. auch verfolgen, sonst würden wir wahrscheinlich immer noch in der Steinzeit leben.

So möchte ich nun auch an einem Manifest der Mantrailerausbildung rütteln, welches für viele als die Religion schlechthin gilt, aber wie schon im obigen Absatz  betont, ich möchte niemanden dazu zwingen,  die Dinge so zu sehen wie ich. Wer will, kann sich darauf einlassen, wer nicht, kann sich sagen, das ist die Meinung des Autors, und das kommt mir nicht in meine Ausbildung, denn das ist immer schon so gewesen wie es ist, und überhaupt, da könnte ja jeder kommen...

Wie dem auch sei, es gab viel Feedback zum Artikel Der Auftrag des Hundes, so will ich den Gedanken hier weiterspinnen.

Eigentlicher Artikel ;)

Wenn man über Mantrailing spricht, insbesondere über die Herkunft dieser Zunft, heißt es ja meistens, das käme von den Amerikanern. Zum einen stimmt das nicht.  Urkundlich belegt wurde es bereits von den Römern praktiziert, um entflohene Sklaven und Kriegsgefangene wieder zu finden. Dass es schon von früheren Hochkulturen in der einen oder anderen abgewandelten Form angewendet wurde, ist allerdings ebenso vorstellbar.

Von den Römern ging´s dann über die Schweiz (wer hat's erfunden?) nach England, kam mit den Immigranten von dort in die Neue Welt, wo es gerade bei der Verfolgung entflohener Sklaven vor der Zeit des Bürgerkrieges eine traurige Blütezeit erlebte. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs wurde es von den Deutschen - ebenfalls zur Verfolgung entflohener Häftlinge - wiederentdeckt, um dann schließlich den düsteren Teil der Geschichte bei den Nazis abzuschließen, die vornehmlich mit Airedale Terriern entflohenen KZ-Insassen nachstellten, um den Hunden die Entflohenen oftmals gleich als Beute zu überlassen.

Alle diese Hunde erfuhren eine Ausbildung, um ihren zweifelhaften Auftrag zu erledigen. Und sie erledigten ihren Job mit dieser Ausbildung in der Regel recht gut. Die Ausbildung war über hunderte, wenn nicht tausende von Jahren dieselbe und hat sich für diese Art von Auftrag bewährt.

Heute setzen wir die Hunde primär dazu ein, um Menschen zu retten, jedoch nicht um sie zu verfolgen, sie in die Sklaverei oder den Tod zu schicken. Im Gegenteil, heutzutage geht es darum, die gesuchten Menschen vor Gefahr und Tod zu bewahren. Der Auftrag hat sich also grundlegend geändert.

Der Auftrag ja, aber die Ausbildung in der Regel nicht.

Noch immer werden viele Mantrail-Hunde in der Art ausgebildet und angelernt, dass sie angereizt  und dass kleine Hetzjagden mit ihnen veranstaltet werden. Der Hund wird festgehalten, jemand präsentiert ihm ein Leckerli und rennt damit davon. Der Hund wird angewiesen, dieser Person zu folgen. Hallo, wir hetzen heute keine Menschen mehr, wir wollen sie finden, um ihnen zu helfen. Oder wir wollen wissen, wo wer langgelaufen ist, um Indizien zu finden. Warum in aller Welt bedienen sich dann so viele, welche diesen Auftrag verfolgen, der Ausbildungsmethoden, die bereits vor 2000 Jahren angewendet wurden, um jemanden zu hetzen ?

Die Ausbildung, welche auf Hetzjagd ausgerichtet ist, hatte damals durchaus ihren Sinn:

Jemand, der von kläffenden Hunden gehetzt wird und sich auch durchaus bereits vor Antritt der Flucht ausrechnen kann, dass ihm mit Hundeteams nachgestellt werden wird, die sich nicht gezwungenermaßen um sein Wohlbefinden sorgen, wenn er gefunden wird, gerät automatisch in Stress.

Stress bewirkt nun mal zunächst einen erhöhten Adrenalinaustoss und stärkeres Schwitzen. Optimale Voraussetzung für einen Trailer.
Stress bewirkt ferner, dass der Flüchtende Fehler macht.
Stress und Hetze bewirken, dass er unüberlegter handelt und nur möglichst schnell versucht, den Abstand zwischen sich selbst und den Verfolgern zu vergrößern und dass er dabei schneller ermüdet.

Macht durchaus Sinn für die Jahre 0 bis 1945.

Der Demenzkranke, der heutzutage aus dem Krankenhaus oder Altersheim verschwindet, fällt aber nicht in dieses Schema.
Der Pilzesucher, der sich in den Bergen verirrt, ebenso wenig.
Auch nicht das Kind, das nach der Schule nicht nach Hause kommt.

Motivation, werden nun manche sagen. Ok, aber wozu motivieren wir den Hund denn? Aus Sicht des Hundes motivieren wir ihn, der Spur eines Menschen nachzuhetzen, der etwas hat, was er unbedingt haben möchte. Die Belohnung nämlich in Form von Wurst, Rohfleisch oder was auch immer.
Insbesondere dann, wenn wir dem Hund angewöhnen, dass die Versteckperson ihm die begehrte Beute überreicht.

Die Motivation aus Sicht des Hundes muss heute eine andere sein. Nämlich jene: Ich bringe meinen Führer (ich meine nun den Hundeführer und betone dies explizit, da in diesem Artikel auch das Jahr 1945 vorkommt, das ja bekanntlich das Ende eines anderen Führers mit sich brachte)  zum Ende dieser Spur und zeige ihm alles, was sich auf dieser Spur ereignet hat. Jetzt habe ich mal die Gelegenheit, meinem (Hunde)-Führer zu zeigen, wo es lang geht, und ich übernehme den leitenden Teil dieser Veranstaltung. Klar, kommt der Hund an, wird er von uns fürstlich dafür belohnt, er hat ja auch einen tollen Job geleistet. Aber die Motivation ist eine andere, das ist wohl damit klar.

Demnach müssen wir die Motivation des Hundes auch anders aufbauen, nämlich nicht über die Belohnung primär, sondern über seine natürlichen Instinkte, nämlich, seine Neugier, seine eigene Befriedigung, die er bereits beim Verfolgen einer Fährte erfährt, und seinen Willen, uns einen Gefallen zu tun, damit er uns eben gefällt. Macht er seinen Job gut, gibt´s die Belohnung, ganz klar, aber die Belohnung sollte nicht seine primäre Motivation sein, der er hinterher hetzt.

In jedem Hundekurs wird man hören, dass man es vermeiden soll, dem Hund das Leckeli bereits zu präsentieren, bevor er das gewünschte Kommando ausgeführt hat, sondern es erst nach erfolgreicher Ausführung des Kommandos zu zeigen und zu verabreichen. Das leuchtet jedem ein. Warum ist das so schwer auf das Trailen umzusetzen ?

Nun, wie schon gesagt, niemand ist gezwungen, die Religion zu wechseln, aber man sollte mal darüber nachdenken, ob Fundamentalismus immer förderlich ist.

Ich persönlich habe zwei Trailer, denen einen aufgebaut, wie die alten Römer es taten (bzw. die allseits gepriesenen Amis), den anderen über seine natürlichen Instinkte und Teamwork. Für mich sind die Unterschiede klar erkennbar und auch sichtlich messbar. Wie das wohl kommt?

Euer Mantrailing Europe Team

 

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