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Hundetausch und Opferbindung

Eine Trainingsmethode, die uns ganz und gar nicht gefällt. Gelegentlich werden Übungen zum Mantrailing praktiziert, welche zwar ganz unterhaltsam erscheinen, dem Zweck aber nicht unbedingt dienlich sind.

Hier also erst mal die Übung und ihr Ablauf:

Die Hunde, allesamt noch in einem sehr, sehr frühen Stadium ihrer Ausbildung, wurden an einen anderen Hundeführer abgegeben. Der eigentliche Partner des Hundes wurde nur einige Meter neben der Versteckperson als Verleitperson postiert. Vor der Versteckperson, also dem Opfer, stand die gesamte Staffel Spalier, machte allerlei Unsinn wie Leckerli werfen, miteinander rangeln etc. oder verengte den Durchgang, sobald der Hund inmitten der Gruppe war.

Als der Hund, der meist zuerst zu seiner Bezugsperson, also zu seinem Hundeführer zog, letztendlich dann doch irgendwann dem Opfer, das mit der Belohnung wedelte, seine Aufmerksamkeit schenkte, übernahm der eigentliche Hundeführer die Leine, während sich das Opfer mit viel Halligalli, Belohnung oder Spielzeug vom Hund entfernte und diesen zum Spielen aufforderte.

Nach dem Sinn der Übung gefragt, wurde ich aufgeklärt, dass dies zum einen der Opferbindung diene, zum anderen eine Übung sei, um Hunde, welche sich  beim Trailen zu sehr ablenken lassen, davon zu kurieren. Natürlich sei das Gezeigte der erstrebenswerte Endzustand, d.h. also, dass ein gefestigter Hund dann durch so eine große Menschenmenge muss, ohne sich ablenken zu lassen, und dann sofort zum Opfer zu gehen hat und seinen eigenen Hndeführer ignorieren muss.

Soviel also dazu, was ich hier mitansehen musste. Und nun was davon zu halten ist.

Um es kurz zu formulieren: GAR NICHTS !

1.) Das mit Opferbindung ist Unsinn. Der Hund lernt dabei nicht, worauf es ankommt, nämlich dass er zu Beginn einen Geruch bekommt, der dann auf der gesamten Fährte zu finden ist und am Ende der Spur wiederum vorhanden ist, in Form einer Person oder eines Gegenstandes dieser Person. Kommt er dort an, wird er freilich belohnt, aber nicht die Bindung zwischen Hund und Opfer muss gefördert werden, sondern die Bindung zwischen Hund und Hundeführer.

2.) Hundetausch, noch dazu mit Anfängern. Den Hund einer anderen Person zu überlassen, fördert nun mal in keinster Weise die Bindung zwischen Hund und SEINEM Hundeführer und ist somit nicht für die Teambildung förderlich. Alles was hier gefördert wird, ist Stress beim Hund, sonst eigentlich gar nichts. Einen Hundetausch kann man in Erwägung ziehen, wenn man selbst wie auch der Hund bereits gut ausgebildet ist und - welche Umstände es bei einem Realeinsatz  auch immer erfordern wollen - man dann den Hund im Notfall evt. einer Person übergibt, die den Hund gut kennt und welcher der Hund absolut vertraut. Dann und nur dann ist es vertretbar, dass jemand anderer als ich selbst mit meinem Hund arbeitet.

3.) Menschengruppe durchlaufen. Ist eine gute Übung, wenn es ums Differenzieren geht und die Personen allesamt fremd sind, sich nicht aufführen wie die Hottentotten und der Hund vorher bereits einfachere Differenzierungsübungen erfolgreich gemeistert hat. Die Personen aus der eigenen Staffel dafür herzunehmen, die sich nun aus Sicht des Hundes plötzlich merkwürdig, ungewohnt oder gar bedrohlich ihm gegenüber verhalten, verursacht ihm nur Stress und verunsichert ihn unnötig. Kein Wunder, wenn er dann versucht, so schnell wie möglich aus der Gruppe herauszukommen und entweder zu seiner Vertrauensperson  tendiert oder zum eigentlichen Opfer, welches sich als einziger aus seiner Sicht normal verhält.