Sind negative Negative positiv ?
Negative Abgänge müssen irgendwann mit jedem Hund trainiert werden. Eine Gefahr dabei ist, dass sie zu oft trainiert werden. Der Hund könnte schnell auf den Gedanken kommen: "Ok, wenn´s also auch was gibt, sobald ich meinen Chef ansehe und gar nicht loslaufe, mache ich halt das."
Aber es geht in diesem Artikel gar nicht um die Häufigkeit des Negativtrainings, sondern darum, wie man mit dem Hund ein Negativ trainiert, oder um es ganz spezifisch auszudrücken, welchen Geruchsträger man dafür verwendet. Verwende ich am besten einen Geruchsträger, der von einem realen Menschen stammt, oder verwende ich einen absolut sterilen Geruchsträger? Generell sollte ja bei jedem Training ein Geruchsträger mit bestmöglicher Qualität verwendet werden, also ein steril verpackter Tupfer oder Verbandsstoff. Ausgenommen sind natürlich Trainingseinheiten, die sich explizit mit kontaminierten Geruchsträgern befassen, dies aber nur bei Hunden, die generell schon weit fortgeschritten sind.
Wie sieht es aber nun aus, wenn wir Negativansätze trainieren wollen? Da sollte doch eigentlich ein Tupfer oder Verbandsstoff reichen, der direkt und steril aus der Packung kommt. Hat das doch den Vorteil, dass man zu hundert Prozent ausschließen kann, dass sich die Person vielleicht doch zufällig die letzten Tage hier aufgehalten hat. Und außerdem, der sterile Tupfer oder Stoff hat ja auch einen Eigengeruch. Weit gefehlt. Auch für dieses Training sollte ein ganz normal präparierter GT verwendet werden, sonst kann der Schuss ordentlich nach hinten los gehen. Warum?
Der Hund wurde bisher darauf trainiert, nach einem organischen Geruch zu suchen. In der Regel nach einem menschlichen Geruch. Verpasst man ihm für das Negativtraining einen derart präparierten GT, wird er kurz seinen Startpunkt abchecken, einen U-Turn laufen und zu seinem Hundeführer blicken, um ihm zu signalisieren: "Hey Mann, der war nicht nicht hier, den wir hier suchen." Im Prinzip nichts anderes, als wenn er eine Seitengasse kontrolliert, in die der Trail nicht abzweigt. Nur eben schon beim Start.
Bekommt er einen komplett sterilen Geruchsträger, riecht dieser sicherlich nach irgendetwas, aber die Betonung liegt hier auf IRGENDETWAS, und dieses Irgendetwas ist ein synthetischer, anorganischer Geruch. Wenn der Hund überhaupt seine Nase in die Tüte steckt, um den Geruch aufzunehmen (was viele kategorisch verweigern), wird er danach unmotiviert durch die Gegend trapsen, hier mal schnüffeln, da mal pinkeln und vielleicht irgendwann mal zu seinem Hundeführer blicken, um ihm zu signalisieren: "Kommt heute noch was oder haben wir schon Feierabend?"
Ein Anfänger, der in dieser Situation lernen soll, seinen Hund zu lesen, wird sich hart tun, hier irgendetwas Vernünftiges aus seinem Hund heraus zu interpretieren, da er hier nicht das Verhalten zu Gesicht bekommen wird, das der Hund zeigen würde, wenn er mit einem echten, menschlich riechendem Geruchsträger konfrontiert worden wäre.
Um es mit anderen Worten, aus Sicht des Hundes auf den Menschen, zugespitzt zu formulieren:
Wenn ihr am Samstag Abend mit euren ausgefüllten Lottoschein vorm Fernseher sitzt und die Ziehung der Zahlen verfolgt, kann sich am Ende der Ziehung herausstellen, dass ihr ein Negativ erlebt. Eure Zahlen waren heute nicht dabei. Dann habt ihr halt Pech gehabt und versucht es ein andermal wieder.
Wenn ihr aber mit einem nicht ausgefüllten Lottoschein vor der Glotze sitzt und auf einen Gewinn hofft, so wird wohl jeder mit Recht fragen, ob ihr noch alle Tassen im Schrank habt. Gewinnen werdet ihr so nämlich auf keinen Fall. Keine Chance, nada, niente, njet.
Denkt darüber nach, bevor ihr das eurem Hund zumutet und selber ratlos neben ihm steht.
Also kann man den Titel dieses Artikels einfach beantworten: Nein, negative Negative sind negativ ;)
Siehe auch: Der richtige Ansatz
